Indiebookday 2017: Ein Blick in die Frühjahrsvorschauen

Logo des Indiebookdays 2017

Heute, am 18. März, ist es wieder so weit. Der vom mairisch Verlag initiierte Indiebookday lädt dazu ein, die Vielfalt der unabhängigen Verlagslandschaft zu feiern.

Auf den Internetseiten von 190 Verlagen habe ich in den letzten Wochen gestöbert, um spannende Bücher in den Frühjahrsvorschauen zu entdecken. Insgesamt 38 Bücher aus 25 Verlagen weckten dabei einerseits mein Interesse und passten andererseits auch vom geplanten Erscheinungstermin (Januar bis Mitte März) in diese Reihe. Mit dieser engeren Auswahl habe ich mich dann noch einmal etwas ausführlicher beschäftigt und das Ergebnis ist diese in die Kategorien Debüts, Belletristik, Sammel- und Lyrikbände sowie Sachbücher aufgeteilte Liste mit 25 Novitäten aus 19 Indieverlagen.

Wieviele und welche Bücher davon am Indiebookday tatsächlich ihren Weg in mein Regal finden, wird sich im Laufe des Tages herausstellen. Ich habe keine feste Einkaufsliste und will natürlich auch vor Ort in den Buchhandlungen noch spontane Entdeckungen machen, aber das eine oder andere hier vorgestellte Buch wird sicher dabei sein. Wenn ich euch dann auch noch Inspirationen für den Indiebookday – oder jeden anderen Tag des Jahres – geben konnte, würde mich das natürlich freuen.

Einige der Bücher erscheinen leider erst in der kommenden Woche, aber vielleicht hat die Buchhandlung eures Vertrauens sie dennoch schon parat und wenn nicht, ist das immerhin ein schöner Anlass für die nächste Einkaufstour.

Debüts

Kathy Zarnegin: Chaya (weissbooks.w)

Ein Coming of Age Roman, der seine starke junge Protagonistin aus dem Teheran der 70er Jahre nach Europa führt und den ich in den letzten Wochen bereits mehrfach in der Buchhandlung in der Hand hatte. Vielleicht nehme ich ihn heute dann endlich mit?

Mehr zum Buch beim Verlag weissbooks.w.

Nadja Schlüter: Einer hätte gereicht (Verlag Voland & Quist)

Zehn Erzählungen zum Thema Familie, in denen es jedoch nicht um Generationenkonflikte geht, sondern um die vielfältigen Verbindungen zwischen Geschwistern.

Mehr zum Buch beim Verlag Voland & Quist.

Luise Maier: Dass wir uns haben (Wallstein Verlag)

Eine weitere Familiengeschichte, offenbar erzählt als zunehmend beklemmend und düster werdendes Kammerspiel.

Mehr zum Buch beim Wallstein Verlag.

Juliana Kálnay: Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens (Verlag Klaus Wagenbach)

Das Haus mit der Nummer 29 scheint so einige verschrobene Bewohner_innen zu bieten zu haben und dann ist da noch die Wohnung, die Menschen verschwinden lässt.

Mehr zum Buch beim Verlag Klaus Wagenbach.

Puneh Ansari: Hoffnun‘. Posts (mikrotext)

Eine als poetischer Essayband beschriebene Sammlung von Facebookposts der Autorin.

Mehr zum Buch beim Verlag mikrotext.

Mare Kandre: Bübins Kind (Septime Verlag)

Bereits 1987 erschien dieses Debüt über das Erwachsenwerden, die Einsamkeit und eine dunkle Vorahnung im schwedischen Original. Übersetzt von Charlotte Karlsson-Hager.

Mehr zum Buch beim Septime Verlag.

Belletristik

Abo Iaschaghaschwili: Royal Mary. Ein Mord in Tiflis (edition.fotoTAPETA Berlin)

Ein Krimi voller literarischer und weltgeschichtlicher Anspielungen, der uns in das Tiflis des ausgehenden 19. Jahrhunderts führt. Übersetzt aus dem Georgischen von Lia Wittek.

Mehr zum Buch beim Verlag edition.fotoTAPETA Berlin.

Patrick Deville: Viva (bilgerverlag)

Mit Frida Kahlo, Diego Rivera, Leo Trotzki und vielen weiteren, bedient sich Patrick Deville gleich einer ganzen Reihe von historischen Figuren, deren Spuren er im Mexiko der 1930er verfolgt. Übersetzt aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller.

Mehr zum Buch beim bilgerverlag.

Herbert Heckmann: Benjamin und seine Väter (Schöffling & Co.)

Ebenfalls in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielt die Suche des jungen Benjamin nach (s)einem Vater, die ihn offenbar erschrocken und enttäuscht über die Menschen, Männer, Väter zurücklässt, die die persönlichen wie geschichtlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts prägten.

Mehr zum Buch beim Verlag Schöffling & Co.

Antanas Škėma: Das weiße Leintuch (Guggolz Verlag)

Litauen ist das Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse 2017 und der Guggolz Verlag bringt passend dazu diesen modernen Klassiker der litauischen Literatur in der Erstübersetzung durch Claudia Sinnig in die Buchhandlungen. Ein Roman über das schwierige Leben im New Yorker Exil.

Mehr zum Buch beim Guggolz Verlag.

Nona Fernández: Die Straße zum 10. Juli (Septime Verlag)

Die Trauer der Protagonistin Greta über den Unfalltod ihrer Tochter vermengt sich mit der jüngeren chilenischen Geschichte und ihren oft spurlos verschwundenen Opfern. Es geht dabei unter anderem um die Militärdiktatur und das durch diese gedeckte Treiben der Colonia Dignidad. Übersetzt aus dem chilenischen Spanisch von Anna Gentz.

Mehr zum Buch beim Septime Verlag.

Eva Schörkhuber: Nachricht an den Großen Bären (Edition Atelier)

Eine Dystopie, in welcher das Europa der nahen Zukunft durch an die Macht gekommene Rechtspopulisten in ein faschistisches Regime verwandelt und in abgeriegelte Zonen unterteilt wurde. Kann dieser Terror durch eine geheime Widerstandsmission gebrochen werden?

Mehr zum Buch beim Verlag edition atelier.

Mascha Dabić: Reibungsverluste (Edition Atelier)

Als Dolmetscherin kommt Nora den traumatischen Erlebnissen der Geflüchteten nah wie kaum jemand sonst in unserer Gesellschaft. Die abstrakten und verletztenden Debatten derjenigen, die weit entfernt vom konkreten Leid sind, kommen ihr nur noch absurd vor.

Mehr zum Buch beim Verlag edition atelier.

Sammel- und Lyrikbände

Emmy Hennings: Das Brandmal – Das ewige Lied. Werke und Briefe (Wallstein Verlag)

Der zweite Band der Kommentierten Studienausgabe von Emmy Hennings Werk enthält ihren zweiten Roman Das Brandmal (1920), die Erzählung Das ewige Lied (1923), einen umfangreichen Stellenkommentar und ein Nachwort zur biographischen Einordnung sowie zur Wirkungsgeschichte. Herausgegeben von Nicola Behrmann und Christa Baumberger unter Mitarbeit von Simone Sumpf.

Mehr zum Buch beim Wallstein Verlag.

Martin Becker, Martina Lisa (Hrsg.): Die letzte Metro. Junge Literatur aus Tschechien (Verlag Voland & Quist)

Geschichten von achtzehn jungen Autor_innen haben Martin Becker und Martina Lisa für diese Anthologie zusammengestellt. Derartige Sammlungen versprechen immer spannende Einblicke und möglicherweise echte persönliche Entdeckungen. Übersetzt aus dem Tschechischen von Martina Lisa.

Mehr zum Buch beim Verlag Voland & Quist.

Jurgita Ludavičiené (Hrsg.): Kein Streicheln. Junge Literatur aus Litauen (Mitteldeutscher Verlag)

Auch unter den vierzehn Nachwuchsliterat_innen des Schwerpunktlandes der Leipziger Buchmesse 2017 lässt sich möglicherweise die eine oder andere spannende Stimme entdecken. Herausgegeben von Jurgita Ludavičiené und übersetzt aus dem Litauischen von Magda Doering, Berthold Forssman und Markus Roduner.

Mehr zum Buch beim Mitteldeutschen Verlag.

Maeve Brennan: Sämtliche Erzählungen (Steidl)

Dieser wundervoll gestaltete zweibändige Schuber erscheint anlässlich des hundertsten Geburtstags der Autorin und versammelt alle Erzählungen, die, wie ihr Leben, von Dublin bis New York führen. Herausgegeben und übersetzt aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser.

Mehr zum Buch beim Verlag Steidl.

Prabda Yoon: The Sad Part Was (Tilted Axis Press)

Eine Kurzgeschichtensammlung, die sich genretechnisch nicht festlegen will und einen experimentellen Einblick in die Widersprüche des modernen Bangkok bietet. Aus dem Thailändischen übersetzt ins Englische von Mui Poopoksakul.

Mehr zum Buch beim Verlag Tilted Axis Press.

Nancy Hünger: Ein wenig Musik zum Abschied wäre trotzdem nett (edition AZUR)

Um die Unzulänglichkeit der Sprache und die ihr dennoch innewohnende Kraft sowie um das eigene Verschwinden soll es in diesen Gedichten gehen. Oder vielleicht auch nicht.

Mehr zum Buch beim Verlag edition AZUR.

Sachbücher

Eckhard Fuhr: Schafe. Ein Portrait (Matthes & Seitz Berlin, Naturkunden, Judith Schalansky (Hrsg.))

Die Tierportraits der von Judith Schalansky herausgegebenen Naturkunden sind nicht nur kleine bibliophile Schätze, sondern auch kompakte und dennoch lehrreiche Sachbücher.

Mehr zum Buch beim Verlag Matthes & Seitz Berlin.

Ludwig Fischer: Brennnesseln. Ein Portrait (Matthes & Seitz Berlin, Naturkunden, Judith Schalansky (Hrsg.))

Neben den Tierportraits gibt es nun also auch Pflanzenportraits. Den Anfang macht die oft verschmähte Brennnessel.

Mehr zum Buch beim Verlag Matthes & Seitz Berlin.

Susan Hawthorne: Bibliodiversität. Manifest für unabhängiges Publizieren (Verbrecher Verlag)

Die deutsche Übersetzung (Doris Hermanns) dieses Buchs, welches einen Metablick auf den #indiebookday bieten könnte, erscheint leider erst kommende Woche.

Mehr zum Buch beim Verbrecher Verlag.

Sandro Abbate (Hrsg.): Warum ich lese. 40 Liebeserklärungen an die Literatur (homunculus verlag)

Ebenfalls etwas metahaftes hat diese Blogger_innen-Anthologie. Unter den Beteiligten finden sich viele, die ich schon lange verfolge, aber auch einige mir (noch) Unbekannte, deren Blogs ich dann vielleicht durch die Lektüre dieses Buchs für mich entdecken werde.

Mehr zum Buch beim homunculus verlag.

Andrea Polaschegg, Michael Weichenhan (Hrsg.): Berlin – Babylon. Eine deutsche Faszination (Verlag Klaus Wagenbach)

Berlin und Babylon. Der Moloch Großstadt. Dieser Faszination, die Kultur, Architektur und Wissenschaft in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts und vielleicht bis heute prägte, geht dieses Buch nach.

Mehr zum Buch beim Verlag Klaus Wagenbach.

Jeanette Erazo Heufelder: Der argentinische Krösus. Kleine Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Schule (Berenberg Verlag)

Einblicke in die Entstehungsgeschichte des durch die Frankfurter Schule weltbekannten Instituts für Sozialforschung und die Rolle des Geldgebers Felix Weil.

Mehr zum Buch beim Berenberg Verlag.

Weitere Empfehlungen

Noch mehr Empfehlungen aus unabhängigen Verlagen findet ihr u.a. bei Herzpotenzial, Buzzaldrins Bücher, Novellieren sowie auf YouTube bei Pinkfisch Royal.

Veröffentlicht am Kategorien indiebookday

2 Gedanken zu „Indiebookday 2017: Ein Blick in die Frühjahrsvorschauen“

    1. Danke für deinen Kommentar! Ja, sich durch so viele Verlagsvorschauen zu wühlen ist nicht gesund für die Wunschliste. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*